Wenn Streit zur Gewohnheit wird: Die Folgen destruktiver Konfliktstile für Paare und Kinder
- Julienne Z. Wysling
- 9. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Streit gehört zu jeder Beziehung, das ist ganz normal und sogar gesund. Problematisch wird es erst, wenn Konflikte destruktiv geführt werden: sei es laut und aggressiv, oder leise und schwelend im Verborgenen. In diesem Beitrag schauen wir uns an, welche Auswirkungen solche destruktiven Konfliktmuster auf die Partnerschaft und auf die Kinder haben und warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Was destruktive Konflikte mit der Partnerschaft machen
Wenn Konflikte chronisch destruktiv verlaufen, egal ob offen und lautstark oder verdeckt und passiv-aggressiv, nagen sie langsam am Fundament der Beziehung. Folgende Auswirkungen zeigen sich häufig:
Vertrauensverlust: Wiederholte destruktive Auseinandersetzungen zerstören das gegenseitige Vertrauen.
Weniger Nähe: Intimität und emotionale Geborgenheit gehen zunehmend verloren.
Sinkende Beziehungszufriedenheit: Die fehlende Nähe führt zu Enttäuschung und damit zu einer insgesamt geringeren Beziehungszufriedenheit.
Vergiftetes Klima: Negativität prägt zunehmend den Alltag und wirkt sich auf die gesamte Familienstimmung aus.
Körperliche und psychische Folgen: Chronischer Beziehungsstress kann sich in Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder auch Depressionen äussern.
Trennungsgedanken: Am Ende dieser Spirale steht oft der Gedanke, dass eine Trennung die einzige Lösung sei.
Kurz gesagt: Destruktive Konflikte sind nicht "nur" unangenehm, sondern sie können auf Dauer sowohl der Beziehung als auch der Gesundheit beider Partner schaden.
Wie Kinder destruktive Konflikte erleben
Kinder bekommen mehr mit, als viele Eltern denken, auch wenn der Streit gar nicht laut ist. Egal ob die Eltern aggressiv streiten, den Konflikt schwelen lassen oder passiv-aggressiv miteinander umgehen: Kinder spüren die schlechte Stimmung immer.
Kinder als emotionale Seismografen
Man kann Kinder tatsächlich mit Seismografen vergleichen, sie registrieren feinste "Erschütterungen" im emotionalen Klima der Familie. Auf angespannte Stimmung reagieren sie mit:
Ängsten
Traurigkeit
Ärger
Häufig beginnen sie zu grübeln: Warum verstehen sich Mama/Papa und Papa/Mama nicht? Bin ich vielleicht selbst schuld daran? Und was bedeutet das für die ganze Familie?
Die Kettenreaktion: Vom Grübeln zu ernsten Problemen
Dieses Gedankenkarussell hat oft handfeste Folgen, die sich wie eine Kettenreaktion entwickeln:
Schlafstörungen – das Grübeln erschwert das Ein- und Durchschlafen.
Konzentrationsstörungen – zu wenig Schlaf und ständiges Grübeln beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit in der Schule.
Verhaltensprobleme – dazu zählen Aggression, oppositionelles Verhalten, aber auch psychische Auffälligkeiten wie Depressionen oder Angststörungen. Je nach Alter kann dies auch in exzessivem Alkohol- oder Cannabiskonsum münden.
Verdeckte versus sichtbare Konflikte: Unterschiedliche Folgen für Kinder
Interessanterweise macht es für Kinder einen Unterschied, wie die Eltern streiten, auch wenn beide Stile problematisch sein können.
Wenn Eltern nie streiten (verdeckte Konfliktstile)
Man könnte annehmen, dass es Kindern hilft, wenn Eltern sich gar nicht sichtbar streiten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall:
Den Kindern fehlen Konfliktlösemodelle. Sie haben keinen Referenzrahmen dafür, wie man einen Streit konstruktiv austrägt und erschrecken später in ihren eigenen Partnerschaften, wenn es dort einmal laut wird.
Es entwickelt sich oft ein starkes Harmoniebedürfnis, das dazu führt, dass die Kinder als Erwachsene selbst einen vermeidenden Konfliktstil pflegen. So wird das negative Muster von Generation zu Generation weitergegeben.
Wenn Eltern sichtbar und laut streiten
Auch der entgegengesetzte Stil hat seine eigenen Schattenseiten:
Kinder lernen, dass man Störendes laut und aggressiv anspricht.
Sie erwerben dadurch negative Verhaltensmodelle, die sie später selbst anwenden.
Aggressives Streiten der Eltern erhöht die physiologische Erregung des Kindes – der Körper reagiert mit Stress, was langfristig unerwünscht ist.
Was die Forschung sagt: Die Studie von Gottman und Katz
Die Forscher Gottman und Katz haben untersucht, wie sich unterschiedliche Konfliktstile der Eltern konkret auf Kinder auswirken. Ihre Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang:
Konfliktstil der Eltern | Typische Auswirkung bei Kindern |
Verdeckt (vermeidend, schwelend, passiv-aggressiv) | Internalisierende Störungen wie Depressionen und Ängste |
Sichtbar (verallgemeinernde Kritik, Abwertung) | Externalisierendes Verhalten wie Opposition, Aggression oder Hyperaktivität (ADHS) |
Das bedeutet: Verdeckte Konflikte richten sich eher "nach innen" – die Kinder tragen den Stress mit sich herum. Sichtbare Konflikte richten sich eher "nach aussen" – die Kinder zeigen den Stress durch ihr Verhalten.
Besonders problematische Faktoren
Nicht jeder Streit ist gleich schädlich. Bestimmte Faktoren machen Konflikte besonders belastend für Kinder:
Konflikte, die sich immer wiederholen und chronisch werden
Hohe Intensität, zum Beispiel viel Schreien
Konflikte, die lange andauern
Streits, die eskalieren
Konflikte, die vor den Kindern stattfinden
Wenn Kinder durch Namensnennung in den Konflikt einbezogen werden
Wenn keine Konfliktlösung erfolgt
Wenn Eltern im Streit auseinandergehen, sich nicht versöhnen und den Konflikt so mit in den Alltag tragen
Wenn Kinder in den Konflikt hineingezogen werden
Besonders belastend für Kinder ist es, wenn sie aktiv in den elterlichen Streit einbezogen werden. Das kann auf verschiedene Weise passieren:
Namensnennung: "Ich bin wegen [Name des Kindes] schlecht gelaunt."
Aufforderung zur Stellungnahme: "Findest du nicht auch, dass Papa schwierig ist?"
Loyalitätskonflikte: Das Kind fühlt sich gezwungen, Partei für einen Elternteil zu ergreifen.
Spionage und Botengänge: "Geh Mama mal nach und schau, wohin sie geht" oder "Sag du ihr, dass ich das nicht mehr mitmache."
Trennungsdrohungen: "Jetzt reicht's, bald bin ich weg."
Solche Situationen bringen Kinder in eine Zwickmühle, aus der sie sich nur schwer befreien können. Sie fühlen sich für Dinge verantwortlich, die eigentlich Erwachsenensache sind.
Der stille Versöhnungsversuch der Kinder
Ein besonders anschauliches Ergebnis der Forschung: Zwei Drittel aller Kinder mischen sich von sich aus in Elternkonflikte ein und versuchen, den Streit zu schlichten. Sie tun dies zum Beispiel mit Sätzen wie "Hört jetzt doch bitte auf" oder ganz einfach, indem sie weinen.
Leider bleiben diese Versuche meist erfolglos und die Kinder ziehen sich traurig und mit dem Gefühl der Hilflosigkeit aus der Situation zurück.
Fazit
Destruktive Konfliktstile, ob laut oder leise, haben spürbare Folgen: für die Partnerschaft in Form von Vertrauensverlust und sinkender Zufriedenheit, und für Kinder in Form von emotionalem Stress, der sich in Schlaf-, Konzentrations- und Verhaltensproblemen äussern kann. Besonders wichtig ist es, Kinder nicht aktiv in Konflikte einzubeziehen und nach einem Streit wieder Versöhnung zu suchen. Wer sich dieser Muster bewusst wird, hat bereits den ersten wichtigen Schritt gemacht, um konstruktivere Wege im Umgang mit Konflikten zu finden.
Sämtliche Informationen dieses Blogposts basieren auf den Büchern und Angeboten von Prof. Dr. Guy Bodenmann. Der Text wurde mithilfe von KI erstellt.






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