Konfliktstile in der Partnerschaft
- Julienne Z. Wysling
- 9. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Nicht jeder Streit sieht gleich aus. Manche Paare streiten laut und offen, andere vermeiden Konflikte völlig, wieder andere lassen ihre Unzufriedenheit nur indirekt spüren. Diese unterschiedlichen Arten, mit Konflikten umzugehen, nennt man Konfliktstile. Sie sind wichtig, weil sie zeigen, wie ein Paar Spannungen verarbeitet und ob daraus eher Nähe oder Distanz entsteht.
Konflikte sind grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird es dann, wenn sie nicht offen und konstruktiv bearbeitet werden. Dann entstehen Muster, die sich wiederholen und die Beziehung mit der Zeit belasten. Einige dieser Muster sind kaum sichtbar, andere sehr deutlich. Doch alle können auf Dauer schädlich sein.
Wenn Konflikte vermieden werden
Manche Paare sind stolz darauf, dass sie „nie streiten“. Das klingt zunächst harmonisch, ist aber oft trügerisch. Denn häufig bedeutet das nicht, dass es keine Spannungen gibt, sondern dass Probleme einfach nicht angesprochen werden. Was nicht offen gesagt wird, ist deshalb nicht verschwunden. Negative Gefühle werden heruntergeschluckt und stauen sich im Inneren an, bis sie irgendwann zu einem grösseren Problem anwachsen.
Konfliktvermeidung kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Manche wollen ein Problem nicht wahrhaben, andere bagatellisieren es oder ziehen sich zurück. Wieder andere versuchen, schwierige Themen mit Humor oder Leichtfüssigkeit zu überdecken. Das kann in manchen Momenten entlastend sein, ersetzt aber keine echte Auseinandersetzung. Wer Konflikte ständig vermeidet, riskiert, dass sich ungelöste Spannungen langfristig auf die Beziehung auswirken.
Der schwelende Konfliktstil
Beim schwelenden Konfliktstil wird die Unzufriedenheit nicht offen ausgesprochen, sondern nur indirekt gezeigt. Die Person sagt vielleicht keine lauten oder gehässigen Worte, aber man merkt deutlich, dass etwas nicht stimmt. Das kann sich durch negative Mimik, angespannte Gestik, ausweichenden Blickkontakt, einen abweisenden Tonfall oder dadurch zeigen, dass der andere ignoriert wird. Oft entsteht dabei eine Art „dicke Luft“ zwischen den Partnerinnen und Partnern.
Das Problem an diesem Stil ist, dass beide etwas vorspielen. Der Ärger wird nicht offen benannt, sondern hinter einer Fassade versteckt. Dadurch kann keine echte Nähe entstehen, weil die eigentliche Spannung zwar spürbar, aber nicht besprechbar ist.
Vermeidung und Schwelen — was ist der Unterschied?
Der Unterschied zwischen einem vermeidenden und einem schwelenden Konfliktstil ist vor allem der Grad der Sichtbarkeit. Bei der Konfliktvermeidung kommt es gar nicht erst zu einer Aussprache. Das Thema wird unter den Teppich gekehrt, und der Ärger bleibt unausgesprochen. Beim schwelenden Konfliktstil dagegen ist deutlich zu merken, dass Unzufriedenheit vorhanden ist. Sie wird aber nicht direkt ausgesprochen, sondern nur indirekt gezeigt.
In beiden Fällen kommt es jedoch nicht zu einer echten Problemlösung. Die Spannung bleibt bestehen, auch wenn sie auf unterschiedliche Weise sichtbar oder unsichtbar ist. Genau deshalb sind beide Stile auf Dauer schwierig für die Partnerschaft.
Passiv-aggressives Verhalten
Eine weitere Form negativer Konfliktverarbeitung ist passiv-aggressives Verhalten. Dabei wird die Ablehnung nicht offen gezeigt, sondern indirekt und versteckt. Typisch können Sabotagen sein, spöttische Witze über den Partner oder die Partnerin, absichtlich unangenehme Situationen oder oder Geschenke sein, von denen man weiss, dass sie dem anderen nicht gefallen.
Das Schwierige an passiv-aggressivem Verhalten ist, dass es selten direkt nachweisbar ist. Aussenstehende merken vielleicht, dass etwas nicht stimmt, können es aber nicht klar benennen. Auch die betroffene Person hat oft nur ein schales Gefühl, ist aber nicht sicher, was genau dahintersteckt. Gerade deshalb ist diese Form so belastend: Sie schafft Unsicherheit, Misstrauen und ein Klima von unterschwelliger Negativität.
Die sichtbaren Konfliktstile
Es gibt auch Konfliktstile, die deutlich sichtbarer und direkter sind. Dazu gehören verallgemeinernde Kritik, sich verteidigen, abwertendes Verhalten und das sogenannte Mauern oder Stone-Walling. Der bekannte Paarforscher John Gottman nennt diese vier Verhaltensweisen die „apokalyptischen Reiter“, weil sie bei häufigem Auftreten mit einer sinkenden Beziehungszufriedenheit verbunden sind und sogar Trennung oder Scheidung vorhersagen können.
Verallgemeinernde Kritik
Verallgemeinernde Kritik bedeutet, dass nicht ein konkreter Punkt angesprochen wird, sondern der Partner oder die Partnerin mit Aussagen wie „immer“ oder „nie“ angegriffen wird. Sätze wie „Nie bist du pünktlich“ oder „Immer bist du zu spät“ klingen nicht nach einem einzelnen Problem, sondern wie ein Rundumschlag gegen die ganze Person. Dadurch wird die Kritik schnell als Angriff erlebt.
Das Problem dabei ist, dass keine konkrete Lösung gesucht wird. Statt über ein bestimmtes Verhalten zu sprechen, wird die gesamte Person oder sogar ihr Charakter in Frage gestellt. Zuhören findet kaum noch statt, und beide bleiben meist bei ihrer eigenen Sicht stehen.
Sich verteidigen
Defensivität oder Sich-Verteidigen bedeutet, dass man keine Verantwortung für das eigene Verhalten übernimmt. Statt zu sagen: „Ja, das war ungeschickt von mir“, kommen eher Sätze wie: „Ich konnte nichts dafür“ oder „Ich war halt im Stress“. Häufig werden dabei Gegenargumente eingebaut, die das Problem eher wegschieben als lösen.
Das ist problematisch, weil keine Entschuldigung folgt und der Schaden, der entstanden ist, nicht ernst genommen wird. Die andere Person fühlt sich nicht verstanden oder mit ihrem Ärger allein gelassen. So tritt das Paar an Ort und Stelle, ohne wirklich weiterzukommen.
Abwerten
Abwertendes Verhalten geht einen Schritt weiter. Hier wird der andere blossgestellt, klein gemacht oder lächerlich gemacht. Der Tonfall ist oft höhnisch, sarkastisch oder zynisch. Dazu kommen typische nonverbale Signale wie Augenrollen, verächtliche Blicke oder eine demonstrativ negative Körpersprache.
Abwertung ist besonders verletzend, weil sie nicht nur Kritik ausdrückt, sondern die Würde des Gegenübers angreift. Wer so kommuniziert, signalisiert nicht nur Ärger, sondern auch Geringschätzung. Das zerstört Vertrauen und Nähe sehr schnell.
Mauern oder Stone-Walling
Beim Mauern ist die Person zwar körperlich noch anwesend, hört aber innerlich nicht mehr zu. Sie zieht sich emotional zurück, schaut vielleicht aus dem Fenster, betrachtet ihre Nägel, spielt mit Gegenständen oder seufzt tief. Für das Gegenüber wirkt das wie völlige Abwesenheit, obwohl die Person eigentlich noch im Raum ist.
Interessanterweise ist die Person beim Mauern oft innerlich stark aktiviert. Es handelt sich also nicht um echte Gleichgültigkeit, sondern eher um eine Stressreaktion und ein Zeichen von Hilflosigkeit. Häufig kommt dieses Verhalten bei Männern vor, kann aber natürlich grundsätzlich bei allen Menschen auftreten. Das Problem ist, dass Mauern das Gespräch komplett blockiert und damit auch jede Lösung verhindert.
Der gewaltsame Konfliktstil
Die schwerste Form des konflikthaften Umgangs ist Gewalt. Sie kann in verschiedenen Formen auftreten: körperlich, psychisch oder verbal, sexuell, ökonomisch oder als Vernachlässigung. Alle Formen haben gemeinsam, dass sie die Integrität des Partners oder der Partnerin verletzen.
Bei psychischer oder verbaler Gewalt geht es etwa darum, den Selbstwert des Gegenübers zu zerstören, Angst zu machen, zu drohen oder zu terrorisieren. Auch Freiheitsberaubung, massiver Liebesentzug, bewusste emotionale Verletzungen oder starke Schuldgefühle gehören dazu. Schon eine einzige Gewalterfahrung kann die Intimität und das Gefühl von Geborgenheit tief erschüttern. Eine Partnerschaft ist nach einer Gewalttat oft nie mehr dieselbe. Gewalt reisst einen Riss in die Beziehung, der häufig sehr schwer oder gar nicht mehr zu heilen ist.
Warum das alles wichtig ist
Konfliktstile zeigen, wie Paare mit Spannung umgehen. Vermeidung, schwelende Unzufriedenheit, passiv-aggressives Verhalten, ständige Kritik, Verteidigung, Abwertung, Mauern und Gewalt verhindern echte Nähe und Lösung. Sie machen sichtbar, dass es in einer Beziehung nicht nur auf den Inhalt eines Konflikts ankommt, sondern auch auf die Art, wie man miteinander umgeht.
Wer die eigenen Konfliktmuster erkennt, kann früher gegensteuern. Denn nicht jede Auseinandersetzung ist schlecht, aber bestimmte Arten des Streitens schaden auf Dauer fast jeder Beziehung. Genau deshalb lohnt es sich, auf die eigene Kommunikation zu achten und Konflikte möglichst offen, respektvoll und konstruktiv zu bearbeiten.
Sämtliche Informationen dieses Blogposts basieren auf den Büchern und Angeboten von Prof. Dr. Guy Bodenmann. Der Text wurde mithilfe von KI erstellt.






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