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Verrückt nach dir

Weisst du noch...

Erinnerst du dich daran, wie du am Anfang eurer Beziehung immer richtig stolz warst, wenn dein*e Partner*in in einer Runde das Wort ergriff und mit ihrer klugen Art brillierte? Oder wie du deine*n Partner*in fasziniert dabei beobachtest hast, wie er für eure Gäste innerhalb kürzester Zeit ein exquisites Menu hervorzauberte, auch wenn die Küche danach wie ein Schlachtfeld aussah? Weißt du noch, wie du dein*e Partner*in immer bewundert hast, wenn sie einen Streit der Kinder so unglaublich geschickt und konstruktiv schlichten konnte? Und gab es nicht Momente, in denen es dir wie ein Wunder vorkam, dass du zufällig mit dem schönsten Mann der Welt zusammenlebst? Auch wenn wir solche Gefühle und Gedanken im Verlauf einer Beziehung nicht mehr täglich haben, halten sie die Beziehung doch lebendig und attraktiv. Die Faszination für dein*e Partner*in bleibt ein wichtiger Aspekt einer glücklichen und zufriedenen Beziehung. Besonders unsere Lust auf Sex lebt davon, dass wir einander immer wieder attraktiv und begehrenswert finden.


Sex & Beziehung

Burri, Radwan & Bodenmann (2014) untersuchten deshalb in einer Studie, wie die Faszination für die Partnerin und den Partner, die Beziehungsqualität, die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Funktionsfähigkeit zusammenhängen. Letztere wurde mittels Fragen sowohl zur sexuellen Funktionsfähigkeit der Frau (Lustempfinden, Erregung, Lubrikation[1], Orgasmus, sexuelle Zufriedenheit, Schmerzen beim Sex), als auch zu Erektionsstörungen oder frühzeitiger Ejakulation beim Mann erfasst. In einer anonymen Online-Untersuchung befragten die Forschenden 70 Schweizerinnen und Schweizer. Dabei fanden sie keine Unterschiede in den Ausprägungen zwischen Frauen und Männern. Nur in Bezug auf einen spezifischen Aspekt der Beziehungsqualität zeigte sich, dass sich Männer im Durchschnitt durch die Beziehung stärker in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlten als Frauen. Ein Ergebnis, das einige vielleicht bereits in der eigenen Beziehung oder in ihrem Umfeld beobachten konnten...

Frauen, die von einer stärkeren Faszination für ihren Partner berichteten, gaben an, auch mit dem Sex zufriedener zu sein und weniger Schmerzen zu haben. Ebenfalls hing bei Frauen die Beziehungsqualität mit Lustempfinden und sexueller Zufriedenheit zusammen sowie mit den Angaben zur Häufigkeit eines Orgasmus oder von Schmerzen beim Sex (jedoch nicht mit Erregung oder Lubrikation). Frauen, die also in einer Beziehung mit höherer Beziehungsqualität waren, schienen auch ein intaktes Sexleben mit weniger sexuellen Problemen zu haben. Sowohl bei Frauen und Männern wurde ein Zusammenhang zwischen Faszination und Beziehungsqualität sichtbar. Bei Frauen, die stärkere Faszination für ihren Partner berichteten, war der Zusammenhang zwischen Beziehungszufriedenheit und sexueller Funktionsfähigkeit im Durchschnitt weniger stark. Dies könnte bedeuten, dass das Sexleben von Frauen, die zwar nicht immer ganz zufrieden mit ihrer Beziehung waren, ihren Partner jedoch als attraktiv und faszinierend wahrnahmen, nicht so stark litt. Bei den Männern fand sich kein Zusammenhang zwischen der Faszination für die Partnerin und den sexuellen Aspekten. Auch die Beziehungsqualität oder -zufriedenheit hing nicht mit der sexuellen Funktionsfähigkeit zusammen. In Kürze Wenn Frauen mit ihrer Beziehung zufriedener sind, scheinen sie tendenziell weniger sexuelle Probleme zu haben. Bei den Männern wurde dieser Zusammenhang in der Studie nicht gefunden. Sowohl bei Frauen, als auch bei Männern hing die Faszination für das Gegenüber jedoch mit der Beziehungszufriedenheit zusammen (bei Frauen ein wenig stärker). Frauen mit stärkerer Faszination für den Partner berichteten über mehr sexuelle Lust und weniger Schmerzen beim Sex. Sie waren zufriedener mit ihrem Sex-Leben und berichteten weniger sexuelle Probleme als Frauen, die nur geringe Faszination für den Partner verspürten. Zusammen mit Ergebnissen aus anderen Studien, verweisen die Resultate darauf, dass Frauen und Männer beim Sex tatsächlich anders „ticken“. Natürlich ist jede Person und jedes Paar unterschiedlich und es gibt nicht die weibliche oder die männliche Sexualität. Doch in der Tendenz scheint es, dass besonders für Frauen ein gewisses Mass an Faszination für den Partner sowie ein gewisses Mass an Nähe und Intimität wichtig sind, um sich ganz auf den Sex einzulassen und diesen auch geniessen zu können. Sich wieder verzaubern lassen Es ist also wichtig, als Paar über die unterschiedlichen Bedürfnisse zu reden. Unterschiede sind in Ordnung und können das Sexleben sogar bereichern. Die Faszination für den Partner, die für Frauen ein wichtiges Element zu sein scheint, kann bewusst gepflegt werden! Natürlich kennt man nach all den Jahren auch die weniger faszinierenden Seiten des Partners. Aber kocht er nicht immer noch genau so gut? Und gefällt mir ihr Humor nicht immer noch? Vielleicht könnt ihr euch bei einem gemeinsamen Spaziergang wieder einmal überlegen, was euch aneinander besonders gefällt und fasziniert? Manchmal ist es schwierig im hektischen Alltag und zwischen herumliegenden Socken diese Faszination wieder aufleben zu lassen. Dann kann ein Tapetenwechsel schon viel bewirken. Es müssen nicht immer gleich Ferien auf den Malediven sein. Sich wieder einmal hübsch zu machen und gemeinsam in einem Restaurant in der Nähe zu essen, zusammen einen Vortrag oder einen Kurs zu besuchen oder auch nur für eine Nacht ein Hotel zu buchen – ohne Socken und andere wenig faszinierende Dinge, kann ein erster kleiner Schritt sein, um die Faszination wieder aufleben zu lassen. Dieser Eintrag basiert auf der Studie The role of partner-related fascination in the association between sexual functioning and relationship satisfaction. [1] Lubrikation bezeichnet das Austreten von Vaginalsekret bei Erregung („feucht werden“). geschrieben von Noëmi Ruther

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