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Paar


Willkommen beim Paarlife-Blog

Mit diesem Blog möchten wir den Paaren Einblick in die Forschung und den daraus gewonnenen Erkenntnissen rundum Prof. Dr. Guy Bodenmanns Forschung geben. Die Erkenntnisse werden in Form von Tipps und Tricks für die Paare aufbereitet. Viel Spass beim Lesen!


Was wir voneinander wissen sollten

Bist du schon fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahre mit deiner Partnerin zusammen? Denkst du, dass du deinen Partner mittlerweile wirklich in- und auswendig kennst? Das wäre doch ziemlich schade und langweilig. Und Fakt ist: Auch wenn wir uns nach all den Jahren so gut kennen wie niemanden sonst, verändern und entwickeln wir uns dauernd. Sowohl unsere Träume, Projekte und Phantasien im Leben allgemein, als auch unsere Wünsche und Erwartungen an die Beziehung verändern sich. Wenn wir uns nicht „aus den Augen verlieren“ und emotional voneinander entfernen wollen, ist es zentral, dass wir uns immer wieder aufeinander einlassen und uns neu kennenlernen. In einer Studie mit Geschiedenen, die nach den Gründen für ihre Scheidung befragt wurden, nannten Frauen am häufigsten die mangelnde Kommunikationsfähigkeit des Partners, während Männer am häufigsten die unterschiedliche Entwicklung der Partner als Hauptursache sahen. Aber wie können wir an der Entwicklung des Anderen teilhaben und uns nicht nur individuell, sondern auch gemeinsam als Paar weiterentwickeln? In dem wir miteinander reden und einander zuhören. Und zwar nicht nur über Sauberkeit, Schwiegereltern und Sonntagsmenu. Vielleicht könnt ihr euch bei einem Glas Wein oder einem Tee wieder einmal ein paar der folgenden Fragen stellen:

 

    • Welche Beziehungen und Freundschaften beschäftigen uns im Moment besonders, weil sie schwierig oder sehr wichtig für uns sind?
    • Was sind unsere aktuellen Sorgen und Ängste?
    • Wie würden wir unsere momentane Lebensphase beschreiben?
    • Welche Musik hören wir im Moment gern und welche Autoren sprechen uns an?
    • Wie ist die Beziehung zu unseren Familien? Welchen Verwandten fühlen wir uns besonders nahe?
    • Was möchten wir erreichen, was treibt uns an?
    • Was bedeutet eine erfüllende Partnerschaft für uns?
    • Was brauchen wir voneinander, um uns in der Beziehung wohl zu fühlen?
    • Wie viel Nähe wünschen wir uns?
    • Was gefällt uns besonders aneinander?
    • Wie hat sich unsere Beziehung in den letzten Jahren verändert?
    • Wie stellen wir uns unsere Beziehung in zehn Jahren vor?

Wahrscheinlich sind die Antworten spannender als erwartet...

Die Fragen dienen dem gegenseitigen Updating und sind inspiriert von den Love Maps von Prof. Dr. John Gottman. Dieser Eintrag bezieht sich auf das Buch Beziehungskrisen – erkennen, verstehen und bewältigen von Prof. Dr. Guy Bodenmann.

Geschrieben von Noëmi Ruther

Wiedermal Sex

Für die meisten Paare gehört Sex dazu. Die körperliche Liebe schafft eine besondere Art der Begegnung und Intimität. Und das wünschen sich viele für ihre Beziehung. Auch wissenschaftliche Studien zeigen: Wenn Paare mit ihrer Beziehung sehr glücklich sind, sind sie auch mit dem Sex zufrieden. Ob der gute Sex der Grund für die gute Beziehung ist oder umgekehrt, sei dahingestellt.

Sex oder Reden?

Damit wir in unserer Beziehung auch langfristig ein erfüllendes Sexleben haben, müssen wir darüber reden, was „guter Sex“ für uns überhaupt bedeutet. Was gefällt mir eigentlich besonders? Was wünschst du dir mal wieder? Wenn man jahrelang nicht offen über Sex gesprochen hat, brauchen diese Gespräche Mut. Aber es lohnt sich! Es braucht auch Mut herauszufinden, was „guter Sex“ für uns und nur für uns bedeutet – egal was die Medien, unsere Freunde oder sonst irgendwer propagiert. Nur wir können entscheiden, welchen Stellenwert wir Sex in unserer Beziehung geben und wie er aussehen soll. Wichtig ist nur, dass wir einen gemeinsamen Weg finden, der für uns beide stimmt und auf dem wir den Sex geniessen können.

Der ganz verrückte Alltag

Ja, es gibt sie: Die Phasen in denen der Sex einfach nicht im Vordergrund steht. Phasen in denen wir zu gestresst sind, die Kinder extrem viel Aufmerksamkeit fordern oder jemand aufgrund körperlicher Einschränkungen einfach keine Lust hat. Das ist normal und ok! Die Lebensumstände, das eigene Befinden, Stress durch Beruf oder Kinder – alle diese Erfahrungen wirken sich auf unser Sexleben aus. Sex spielt sich nicht im luftleeren Raum ab. Gerade das macht ihn aber auch lebendig und spannend. Er ist nicht immer gleich, hängt von der Zyklusphase ab, davon, wie unsere Beziehung gerade aussieht, wie unser Tag war, in welcher Umgebung wir sind...Wenn es also einmal nicht klappt, müssen wir nicht gleich verzweifeln. Gerade in Stressphasen ist es wichtig, dass wir uns unterstützen und so gemeinsam Stress abbauen. Manchmal hilft dazu sogar auch Sex. Auch Beziehungsstress durch Konflikte kann die Lust an der Lust nehmen. Einfach nicht darüber zu reden, hilft hier langfristig nicht. Wenn wir einen Weg finden, Konflikte und Probleme gemeinsam und fair zu lösen und uns um einen liebevollen Umgang miteinander bemühen, ist das die ideale Grundlage für guten Sex.

Wo bleibt das Prickeln?

Wenn wir schon einige Jahre zusammen sind, fehlt es manchmal – das Prickeln. Grund zur Sorge und können wir etwas dagegen tun? Wenn uns der Sex wichtig ist, müssen wir ihn pflegen und uns aktiv darum bemühen, dass er lebendig bleibt. Das heisst: Eine bewusste Entscheidung treffen, dass wir Sex haben wollen. In welcher Form und wie oft, kann dann ausgehandelt werden. Damit sich wieder ein Begehren entwickeln kann, braucht es regelmässige Zeit zu zweit. Ein Restaurantbesuch, ein gemeinsames Bad oder eine Massage... Wenn wir lange zusammen sind, können wir uns nicht immer darauf verlassen, dass wir spontan Lust auf Sex haben, so wie es vielleicht am Anfang war. Aber die Atmosphäre, die wir schaffen, kann viel zu Entspannung und Lust beitragen. Dazu gehört auch, dass wir Wäschestapel und Bürokram mal aus dem Schlafzimmer räumen oder uns überlegen, wo Sex denn sonst noch spannend sein könnte.

Tausend Möglichkeiten

Auch als langjähriges Paar können wir uns immer wieder neu entdecken, wünschen und träumen und neue Ideen in unser Sexleben integrieren. Dabei ist es wichtig, dass ich versuche, mich auf die Ideen meines Partners einzulassen, ja ihn vielleicht auch danach zu fragen. Ebenso wichtig ist, dass ich auch Grenzen setzte, wenn etwas für mich nicht stimmt. So können wir unsere Sexualität gemeinsam immer wieder weiterentwickeln.

Erwartungsdruck

Beim Sex geht es um den Genuss der körperlichen Begegnung. Zu viel Erwartungen und Druck lassen diesen Genuss rasch verschwinden. Gerade bei Frauen entstehen schnell Blockaden, wenn sie nicht sicher sind, dass sie jederzeit noch Stopp sagen können. Sie lassen sich dadurch oftmals gar nicht auf körperliche Begegnungen ein – aus Sorge ihren Partner mit der entstandenen Erregung allein zu lassen, wenn sie an einem bestimmten Punkt nicht weiter möchten. Aber so nimmt man sich selbst die Möglichkeit, dass man durch die Nähe und Intimität vielleicht auch Lust bekommt...

Freiheit lassen

Zum Schluss eine Weisheit von einem Paar, das seit 36 Jahren verheiratet
und mit seinem Sexleben sehr zufrieden ist: Die beiden äussern, wenn sie zusammen in der Badewanne sitzen, ihre sexuellen Wünsche - ohne dass der andere direkt darauf antwortet oder eingeht. Es geht nur darum, die Bedürfnisse wahrzunehmen. Später hat dann der andere die Wahl, ob er den Wunsch aufgreifen und darauf
eingehen möchte. Die Freiheit Wünsche zu äussern und die Freiheit auf diese einzugehen oder nicht scheint ein Schlüssel zu sein. Vielleicht lohnt es sich, dies einmal auszuprobieren –in der Badewanne oder anderswo.

Ich, Du und Wir

Jede Paarbeziehung ist ein kleines Wunder. Denn eigentlich ist das Ganze unglaublich kompliziert: Zwei Menschen starten ein grosses spannendes Projekt mit ungewissem Ausgang. Denn auch wenn diese zwei Menschen noch so wesensverwandt sind, werden sie sich in vielem unterscheiden: Sie haben eine eigene Biographie, unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen an eine Beziehung und meist ein anderes Geschlecht. Diese Unterschiede machen das Abenteuer Partnerschaft zu einer spannenden und wunderschönen, aber auch anspruchsvollen Angelegenheit. Damit dieses Abenteuer trotzdem gelingen und eine starke Beziehung entstehen kann, braucht es ein starkes Wir-Gefühl. Doch Letzteres entsteht nicht von selbst. Ein starkes Wir-Gefühl bedeutet, dass ich mich voll und ganz auf meinen Partner verlassen kann. Aber auch, dass es mir weh tut, wenn es ihm schlecht geht, weil er Stress mit seinem Chef hat. Es bedeutet, dass wir uns als Paar als Einheit definieren – ohne dabei das eigene Ich völlig zu verlieren. Dieses Wir-Gefühl ist das Fundament, auf dem eine Beziehung steht. Je stärker unser Fundament, desto grösser die Widerstandsfähigkeit unserer Partnerschaft in stürmischen Zeiten.

Das Wir

Eine Beziehung ist wie eine grosse Reise. Gemeinsam mit dem Partner entdecke ich neue Länder, lerne Menschen kennen und erlebe Abenteuer. Mal übernehme ich das Steuer, dann wieder mein Partner. Als Paar schreiben wir auf dieser Reise unsere ganz persönliche Geschichte. Es gibt Höhen und Tiefen, und vielleicht verlieren wird uns sogar mal aus den Augen, um uns später wieder zu finden. Damit das Wir-Gefühl auf der Beziehungsreise wachsen kann, braucht es Teamgeist und die Entscheidung, dass wir als Paar am gleichen Strick ziehen wollen. Das geht nur, wenn meine eigenen Bedürfnisse nicht immer zuerst kommen, sondern ich mich frage: Was wäre für uns als Paar jetzt am besten? Was können wir tun, damit es uns als Paar gut geht? Wie können wir bei einem Konflikt beide gewinnen? In einer Paarbeziehung gibt es nie einen Gewinner und einen Verlierer. Entweder verlieren wir beide oder beide gewinnen.

Wir haben Zeit

Um ein gutes Team zu werden braucht es Zeit! Zeit, um sich besser kennen zu lernen und Zeit, um die gemeinsame Geschichte zu schreiben. Wenn ich mir überlege, was meine schönsten Erinnerungen an meine Eltern sind, denke ich an Situationen, in denen mein Vater oder meine Mutter sich besonders viel Zeit für mich genommen haben.  Auch in der Partnerschaft gilt: Das Schönste, das ich meinem Partner schenken kann, ist Zeit und Aufmerksamkeit! Dabei gibt es keine Zauberformel, mit der man ausrechnen kann, wie viel Zeit man als Paar braucht, um ein starkes Wir-Gefühl aufzubauen und zu bewahren. So wie jeder Mensch, ist auch jede Beziehung einzigartig. Als Paar müssen wir lernen, zu spüren und auch auszuhandeln, wie viel Paarzeit für beide wichtig und richtig ist. Es ist nicht gleich viel wie bei unseren Freunden oder Nachbarn. Aber wenn zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit da ist, kann die Beziehung nicht stark werden. Nicht in jeder Lebensphase haben wir gleich viel Zeit füreinander, das ist ok. Wichtig ist, dass wir als Paar immer wieder über unsere Bedürfnisse sprechen und gemeinsam eine Vision für unser Zusammensein entwickeln.

Das Ich und das Du

Als Paar ein gutes Team zu sein, heisst nicht, mich selbst und meine Bedürfnisse zu verleugnen. Ich will nicht nur dem Partner, sondern auch mir selbst treu sein. Und ebenso wenig soll mein Partner sich untreu werden. Denn wer keine eigene Identität hat und nicht über seine Wünsche und Ziele Bescheid weiss, ist letztlich auch für den Partner uninteressant. Wenn wir ehrlich sind, wünschen sich doch die meisten von uns einen Partner mit klaren Vorstellungen und Bedürfnissen, mit Ecken und Kanten. Ein Fähnlein im Wind ist unattraktiv, auch wenn dadurch vielleicht mancher Konflikt vermieden werden kann. Konturen, klare Meinungen und Ansichten zeugen von einer eigenen Persönlichkeit, von Charakterstärke und Zielstrebigkeit. Und das ist attraktiv!

Ich mit Dir

Auch hier gibt es keine Zauberformel, die besagt, wann man auf die eigenen Bedürfnisse pochen soll und was die Konsequenzen für die Beziehung sind. Die Prioritätensetzung zwischen meinen persönlichen Bedürfnissen und den Bedürfnissen meines Partners ist ein konstanter Prozess. Egal ob es darum geht, das Wochenende zu planen, ein Auto zu kaufen, die Pille abzusetzen oder getrennte Schlafzimmer einzuführen – das Entscheidungsteam besteht schlussendlich aus zwei Personen. Darum besser vorher die Optionen und vor allem auch die Konsequenzen gemeinsam diskutieren. Eine Beziehung braucht Raum in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Dazu gehört gemeinsame Erinnerungen zu pflegen, im Hier und Jetzt füreinander Zeit zu schaffen und zusammen und gleichberechtigt die Zukunft zu planen!

Mehr dazu im Buch: „Was Paare stark macht – Das Geheimnis glücklicher Beziehungen“, von Prof. Dr. G. Bodenmann und C. Fux, erschienen im Beobachter Buchverlag.

Geschrieben von Noëmi Ruther

Quality Time

Ein kleiner Disput mit dem Chef, eine kranke Tochter, die nicht in die KiTa kann, ein angebranntes Essen kurz bevor die Gäste kommen, ein schwieriges Gespräch mit einem Kunden... Kommt dir bekannt vor? Für sich alleine sind diese Dinge alle nicht so schlimm. Aber in der Summe können sie irgendwann ganz schön belastend werden.

Mein ganz normaler Wahnsinn
Mein letzter Monat war voller solcher Momente: Bei der Arbeit gab es einige Pannen und zuhause herrschte Notstand, weil unsere Tochter krank war, die Geschirrspülmaschine ausfiel und meine Schwiegermutter mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Spital musste. Dann noch die Nachricht, dass mein Partner jetzt doch nur eine, statt zwei Wochen Sommerferien erhält, worauf es Schwierigkeiten mit den Vermietern der Ferienwohnung gab, weil wir die zweite Woche stornieren wollten. Dazu kamen weitere unglückliche Zufälle, wie eine leere Cornflakes-Packung am Morgen und drei verpasste Trams. Aber am meisten beunruhigt war ich, als ich eines Abends im Bett lag und mich fragte, wann mein Partner und ich eigentlich das letzte Mal zusammen ausgegangen waren. Wann hatten wir zuletzt ein inspirierendes Gespräch geführt, bei dem es nicht um Stornierungsbedingungen, Spitalbesuche oder Termine mit dem Handwerker ging? Sex lag zwar zwischendurch noch drin, aber wir hatten auch schon häufigere und ausgelassenere Zärtlichkeit genossen. Diese Gedanken machten mich ziemlich unzufrieden.
Verpasste Züge, stressige Sitzungen, einkaufen mit den Kindern im vollen Supermarkt – diese Dinge gehören doch zum Alltag dazu. Nicht viel dabei, oder doch? Im Folgenden geht es darum weshalb und wie solche Situationen einen Einfluss auf unsere Partnerschaft haben...

Die Studie
Ähnliche Fragen haben sich nämlich vor ein paar Jahren auch eine Forschergruppe um Professor Bodenmann gestellt (Milek, Randall, Nussbeck, Breitenstein & Bodenmann, 2017). Dabei hatten sie genau diese Stresssituationen, die auch meinen letzten Monat bestimmt haben, im Auge. Im Fachjargon ausgedrückt chronic minor external stress (CMES) – minor, weil damit nicht grosse Schicksalsschläge gemeint sind (sondern eben diese mehr oder weniger alltäglichen Widrigkeiten) und external, weil der Stress von ausserhalb der Paarbeziehung kommt und nicht Streitigkeiten oder Differenzen innerhalb eines Paars gemeint sind. Es ist jedoch bekannt, dass zu viel Stress von ausserhalb der Beziehung seinerseits Auswirkungen auf die Partnerschaft und somit auch Beziehungsunzufriedenheit zur Folge haben kann. Folgendes haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht:

Erstens
wollten sie überprüfen, ob der negative Zusammenhang von Stress und Beziehungszufriedenheit über die gemeinsam verbrachte Zeit der Partner vermittelt wird, im Sinne von Stress -> weniger gemeinsame Zeit -> Unzufriedenheit. Zweitens fragen sie sich, ob es dabei zwischen der Quantität und der Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit zu unterscheiden gilt. Drittens wollten sie herausfinden, ob es zwischen Frauen und Männern Unterschiede gibt. Denn bisherige Befunde legen nahe, dass Frauen stärker unter Stress leiden (z. B Hamermesh, 2008) und Letztere der gemeinsamen Zeit mit dem Partner auch grössere Wichtigkeit beimessen als dies Männer tun (z.B Smith, Synder, Trull & Monsma, 1988).
Die Studie wurde in Nordrheinwestfalen (DE) als Teil eines grösseren Forschungsprojekts durchgeführt. Teilnehmen konnten Paare, die mindestens ein Kind im Alter zwischen 16 und 21 Jahre hatten und seit mindestens einem Jahr in einer heterosexuellen festen Partnerschaft lebten. Insgesamt wurden Daten von 90 Paaren ausgewertet. Die Partner waren zwischen 39 und 68 Jahre alt und im Schnitt seit 25 Jahren zusammen (87 % verheiratet). 67 % wohnten mit einem oder mehreren Kindern zusammen.
Die teilnehmenden Personen wurden mittels eines Codes anonymisiert und füllten unabhängig von der Partnerin oder dem Partner einen Onlinefragebogen aus. Dieser enthielt Fragen zur gemeinsamen Zeit als Paar (unter der Woche und am Wochenende, basierend auf der letzten Woche). Im Durchschnitt berichteten die Paare von 4.84 gemeinsam verbrachten Stunden unter der Woche. Weiter wurde die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit erfasst: Dazu sollten sie angeben, wie oft sie während einer Woche verschiedene gemeinsame Aktivitäten ausführten (1= nie bis 5 = sehr oft), wie zum Beispiel „gemeinsam einkaufen“ oder „fernsehen“. Weiter wurden sie gefragt, ob für sie eine Aktivität das Potential hatte, das „Wir-Gefühl“ in ihrer Partnerschaft zu stärken. „Quality Time“ wurde ermittelt, in dem die Forschenden schauten, wie oft Aktivitäten ausgeführt wurden, die von über 90 % der Personen als Aktivitäten mit Potential zur Förderung des Wir-Gefühls eingestuft worden waren. Dazu gehörten folgende Aktivitäten: Gemeinsame Mahlzeiten, zusammen ausgehen, sich über den Tag austauschen, wichtige Themen besprechen, körperlich zärtlich und intim sein. Durchschnittlich hatten die Paare während einer Woche oft gemeinsame Quality Time (Mittelwert 3.82). Weiter wurde gefragt, wie oft die Person in den letzten zwölf Monaten die bereits erwähnten CMES erlebt hatte (Alltagsstress, Probleme mit den Nachbarn, Stress im Job etc.) (1 = überhaupt nicht bis 4 = oft). Zum Schluss wurde mittels sieben Fragen die Beziehungszufriedenheit erfasst. Um keine verzerrten Ergebnisse zu erhalten, wurde rechnerisch für verschiedene Einflüsse kontrolliert: Dazu gehörte die Anzahl wöchentliche Arbeitsstunden, die Anzahl Kinder im Haushalt, das durchschnittliche Alter der Kinder und die Beziehungsdauer des Paars. Dies sind alles Faktoren, die einen Einfluss auf die untersuchten Zusammenhänge haben könnten.

Resultate

Erstens:
Es zeigte sich, dass die gemeinsame Zeit den negativen Zusammenhang von Stress und Beziehungszufriedenheit vermittelte (Stress -> gemeinsame Zeit -> Beziehungszufriedenheit). Allerdings galt dies nur für die Qualität und nicht für die Quantität (also die allgemeine Dauer) der gemeinsam verbrachten Zeit. Es fand sich kein signifikanter Einfluss von Stress auf die Dauer gemeinsam verbrachten Zeit, was bedeutet, dass Paare bei denen einer oder beide Partner gestresst waren, im Durchschnitt nicht weniger Zeit zusammen verbrachten (jedoch weniger Quality Time). Mehr Quality Time ging bei Frauen und Männern mit einer höheren Beziehungszufriedenheit zusammen.

Zweitens:
Es muss also zwischen Qualität und Quantität unterschieden werden und auch ihr jeweiliger Einfluss auf die Beziehungszufriedenheit war bei Frauen und Männern nicht ganz gleich. Während bei den Frauen 25 % der unterschiedlichen Ausprägungen in der Beziehungszufriedenheit durch die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit erklärt werden konnte, waren es nur 3 %, welche sich durch die Quantität der verbrachten Zeit erklären liess. Bei den Männern erklärte die Qualität 15 % und die Quantität nur 1 % der Unterschiede zwischen den Männern in Bezug auf ihre Beziehungszufriedenheit.

Drittens:
Die vermuteten Unterschiede zwischen Männern und Frauen wurden bestätigt: Der indirekte Weg von Stress über -> gemeinsame Zeit -> Beziehungszufriedenheit zeigte sich so nur bei Frauen, deren Stress sich auf diesem Weg sowohl negativ auf ihre eigene Beziehungszufriedenheit als auch auf die Beziehungszufriedenheit ihres Partners auswirkte. Dies war insbesondere für die Quality Time der Fall. Wie bereits erwähnt, konnte die gemeinsam verbrachte Zeit bei den Frauen einen grösseren Anteil an Varianz in der Beziehungszufriedenheit erklären als bei den Männern. Für viele Frauen scheint solche Quality Time als Paar also etwas Zentrales zu sein, damit sie sich in ihrer Beziehung wohl und zufrieden fühlen.

In Kürze
Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass es nicht einfach darum geht, möglichst viel Zeit mit der Partnerin oder dem Partner zu verbringen. Viel mehr geht es darum, wie die gemeinsame Zeit gestaltet wird. Und wie wir unsere Zeit als Paar verbringen, scheint wiederum von unserem Stress beeinflusst zu werden. Denn es zeigte sich, dass Frauen, die über mehr Stress berichteten, insgesamt nicht weniger Zeit mit ihrem Partner verbrachten, jedoch weniger qualitative Momente hatten (wie zusammen ausgehen, sich über den Tag austauschen oder körperlich zärtlich und intim zu sein) und dadurch in ihrer Beziehung auch weniger zufrieden waren. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Stress der Frauen nicht nur auf ihre eigene Beziehungszufriedenheit, sondern auch auf die des Partners auswirkte. Es reicht eben nicht, wenn wir uns zwar sehen, aber nur über Stornierungsbedingungen, Spitalbesuche oder Termine mit dem Handwerker reden oder im besten Fall noch nebeneinander 10 vor 10 schauen bevor wir müde ins Bett fallen.

Was nun?
Mein letzter Monat war zum Glück eine Ausnahme. So stressig ist es nicht immer in meinem und unseren Leben! Trotzdem gibt es diese Phasen und nicht immer kann ich sie verhindern. Der vergangene Monat und die Beschäftigung mit dieser Studie haben mir aber gezeigt, dass es gerade in diesen Momenten wichtig ist, meiner Partnerschaft Sorge zu tragen. Gemeinsame Quality Time gibt auch wieder Energie für den Alltag. Es muss nicht immer ein ganzer Abend mit Kino und romantischem Abendessen sein. Schon eine kurze Unterhaltung über den Tag, eine liebevolle Umarmung oder ein kleiner Spaziergang kann in stressigen Zeiten heilsam sein. Ohne diese Momente leidet unsere Beziehung, was zu Konflikten, Entfremdung, Unzufriedenheit und letzten Endes zu noch mehr Stress führt. Wichtig ist auch, dass wir uns bewusst sind, dass jeder anders auf Stress reagiert. Während sich der eine zurückzieht, wird der andere gereizt und verfällt in Aktivismus. Diese unterschiedlichen Strategien haben auch mit unserer Persönlichkeit und mit früheren Erfahrungen zu tun und das ist auch in Ordnung. Und doch ist es wichtig, dass wir uns gerade in diesen Zeiten nicht aus den Augen verlieren!
Wenn du also merkst, dass Stress in eurer Beziehung ein Thema ist und vielleicht auch beobachtest, wie er sich auf eure gemeinsame Zeit und eure Beziehungsqualität auswirkt, gilt es darüber zu reden und sich kleine Paar-Oasen zu schaffen. Eine Möglichkeit ist auch, in Form eines paarlife-Trainings Strategien zum gemeinsamen Umgang mit Stress zu erlernen.
Dieser Eintrag basiert auf dem Artikel Deleterious effects of stress on time spent together and parents’ relationship satisfaction von den Forscherinnen und Forschern Anne Milek, Ashley K. Randall, Fridtjof W. Nussbeck, Christina J. Breitenstein und Guy Bodenmann aus dem Jahr 2017.
(Die Beispiele im Text sind fiktiv)

Geschrieben von Noëmi Ruther

Verrückt nach dir

Weisst du noch...

Erinnerst du dich daran, wie du am Anfang eurer Beziehung immer richtig stolz warst, wenn deine Partnerin in einer Runde das Wort ergriff und mit ihrer klugen Art brillierte? Oder wie du deinen Partner fasziniert dabei beobachtest hast, wie er für eure Gäste innerhalb kürzester Zeit ein exquisites Menu hervorzauberte, auch wenn die Küche danach wie ein Schlachtfeld aussah? Weißt du noch, wie du deine Partnerin immer bewundert hast, wenn sie einen Streit der Kinder so unglaublich geschickt und konstruktiv schlichten konnte? Und gab es nicht Momente, in denen es dir wie ein Wunder vorkam, dass du zufällig mit dem schönsten Mann der Welt zusammenlebst? Auch wenn wir solche Gefühle und Gedanken im Verlauf einer Beziehung nicht mehr täglich haben, halten sie die Beziehung doch lebendig und attraktiv. Die Faszination für die Partnerin oder den Partner bleibt ein wichtiger Aspekt einer glücklichen und zufriedenen Beziehung. Besonders unsere Lust auf Sex lebt davon, dass wir einander immer wieder attraktiv und begehrenswert finden.

Sex & Beziehung

Burri, Radwan & Bodenmann (2014) untersuchten deshalb in einer Studie, wie die Faszination für die Partnerin oder den Partner, die Beziehungsqualität, die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Funktionsfähigkeit zusammenhängen. Letztere wurde mittels Fragen sowohl zur sexuellen Funktionsfähigkeit der Frau (Lustempfinden, Erregung, Lubrikation[1], Orgasmus, sexuelle Zufriedenheit, Schmerzen beim Sex), als auch zu Erektionsstörungen oder frühzeitiger Ejakulation beim Mann erfasst. In einer anonymen Online-Untersuchung befragten die Forschenden 70 Schweizerinnen und Schweizer. Dabei fanden sie keine Unterschiede in den Ausprägungen zwischen Frauen und Männern. Nur in Bezug auf einen spezifischen Aspekt der Beziehungsqualität zeigte sich, dass sich Männer im Durchschnitt durch die Beziehung stärker in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlten als Frauen. Ein Ergebnis, das einige vielleicht bereits in der eigenen Beziehung oder in ihrem Umfeld beobachten konnten...

Frauen, die von einer stärkeren Faszination für den Partner berichteten, gaben an, auch mit dem Sex zufriedener zu sein und weniger Schmerzen zu haben. Ebenfalls hing bei Frauen die Beziehungsqualität mit Lustempfinden und sexueller Zufriedenheit zusammen sowie mit den Angaben zur Häufigkeit eines Orgasmus oder von Schmerzen beim Sex (jedoch nicht mit Erregung oder Lubrikation). Frauen, die also in einer Beziehung mit höherer Beziehungsqualität waren, schienen auch ein intaktes Sexleben mit weniger sexuellen Problemen zu haben. Sowohl bei Frauen und Männern wurde ein Zusammenhang zwischen Faszination und Beziehungsqualität sichtbar. Bei Frauen, die stärkere Faszination für ihren Partner berichteten, war der Zusammenhang zwischen Beziehungszufriedenheit und sexueller Funktionsfähigkeit im Durchschnitt weniger stark. Dies könnte bedeuten, dass das Sexleben von Frauen, die zwar nicht immer ganz zufrieden mit ihrer Beziehung waren, ihren Partner jedoch als attraktiv und faszinierend wahrnahmen, nicht so stark litt. Bei den Männern fand sich kein Zusammenhang zwischen der Faszination für die Partnerin und den sexuellen Aspekten. Auch die Beziehungsqualität oder -zufriedenheit hing nicht mit der sexuellen Funktionsfähigkeit zusammen.

In Kürze

Wenn Frauen mit ihrer Beziehung zufriedener sind, scheinen sie tendenziell weniger sexuelle Probleme zu haben. Bei den Männern wurde dieser Zusammenhang in der Studie nicht gefunden. Sowohl bei Frauen, als auch bei Männern hing die Faszination für das Gegenüber jedoch mit der Beziehungszufriedenheit zusammen (bei Frauen ein wenig stärker). Frauen mit stärkerer Faszination für den Partner berichteten über mehr sexuelle Lust und weniger Schmerzen beim Sex. Sie waren zufriedener mit ihrem Sex-Leben und berichteten weniger sexuelle Probleme als Frauen, die nur geringe Faszination für den Partner verspürten. Zusammen mit Ergebnissen aus anderen Studien, verweisen die Resultate darauf, dass Frauen und Männer beim Sex tatsächlich anders „ticken“. Natürlich ist jede Person und jedes Paar unterschiedlich und es gibt nicht die weibliche oder die männliche Sexualität. Doch in der Tendenz scheint es, dass besonders für Frauen ein gewisses Mass an Faszination für den Partner sowie ein gewisses Mass an Nähe und Intimität wichtig sind, um sich ganz auf den Sex einzulassen und diesen auch geniessen zu können.

Sich wieder verzaubern lassen

Es ist also wichtig, als Paar über die unterschiedlichen Bedürfnisse zu reden. Unterschiede sind in Ordnung und können das Sexleben sogar bereichern. Die Faszination für den Partner, die für Frauen ein wichtiges Element zu sein scheint, kann bewusst gepflegt werden! Natürlich kennt man nach all den Jahren auch die weniger faszinierenden Seiten des Partners. Aber kocht er nicht immer noch genau so gut? Und gefällt mir ihr Humor nicht immer noch? Vielleicht könnt ihr euch bei einem gemeinsamen Spaziergang wieder einmal überlegen, was euch aneinander besonders gefällt und fasziniert? Manchmal ist es schwierig im hektischen Alltag und zwischen herumliegenden Socken diese Faszination wieder aufleben zu lassen. Dann kann ein Tapetenwechsel schon viel bewirken. Es müssen nicht immer gleich Ferien auf den Malediven sein. Sich wieder einmal hübsch zu machen und gemeinsam in einem Restaurant in der Nähe zu essen, zusammen einen Vortrag oder einen Kurs zu besuchen oder auch nur für eine Nacht ein Hotel zu buchen – ohne Socken und andere wenig faszinierende Dinge, kann ein erster kleiner Schritt sein, um die Faszination wieder aufleben zu lassen.

Dieser Eintrag basiert auf der Studie The role of partner-related fascination in the association between sexual functioning and relationship satisfaction.

[1] Lubrikation bezeichnet das Austreten von Vaginalsekret bei Erregung („feucht werden“).

Geschrieben von Noëmi Ruther

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